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„Die Zeit nutzen, um einen Vorsprung zu schaffen“

Mit digitalen Veranstaltungen und virtuellen Arbeitskreistreffen hat das IT-Cluster Oberfranken die Digitalisierung vorangebracht. Eine Highlight-Veranstaltung zum Thema Internet der Dinge (IoT) findet am 30. Juni statt. Oberfranken (17.06.2020) – „Wir als IT-Cluster haben in diesem Jahr die digitale Welt mit virtuellen Arbeitskreistreffen und Videokonferenzen auf unterschiedlichen Plattformen stark befeuert und unseren Mitgliedsunternehmen weiterhin ein attraktives Angebot gemacht, um die digitalen Themen in den eigenen Unternehmen voranbringen zu können“, sagt Hans Ulrich Gruber, Vorsitzender des IT-Clusters Oberfranken und zieht damit zusammen mit seinen beiden Vorstandskollegen Thomas Feike und Mario Mages ein insgesamt positives Fazit. Neben den Themen ERP oder der zukunftsweisenden OKR-Methode zur Strategie-Entwicklung steht vor allem das Internet der Dinge, kurz IoT (engl. für Internet of things), im Zentrum „IoT wird die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Standorts Deutschlands und die IT-Landschaft Oberfrankens maßgeblich bestimmen. Darin sind sich alle Experten einig“, so Hans Ulrich Gruber. Mit Thomas Schott konnte das IT-Cluster einen der renommierten Experten in diesem Bereich als Referenten gewinnen. Er begleitet seit mehreren Jahren Unternehmen aus der Industrie bei der digitalen Transformation. Sein Schwerpunkt dabei ist das Thema IoT vor allem in der Produktion, aber auch in der gesamten IT-Infrastruktur des Unternehmens. „Beim nächsten Arbeitskreistreffen Ende Juni zeige ich anhand von zwei Best-Practice-Beispielen, wie IoT in produzierenden Unternehmen erfolgreich umgesetzt wurde. Und ich möchte zeigen, wie man die Daten, die man in der Produktion gewinnt, für den unternehmerischen Erfolg einsetzen kann.“ Zielgruppe der Veranstaltung sind neben den produzierenden Unternehmen aller Größen auch die IT-Dienstleister in der Region. „Sie werden gebraucht, wenn es um die Umsetzung geht, da es jede Menge Schnittstellen und damit Programmieraufgaben gibt“, sagt Thomas Schott. Der IoT-Experte und früherer Leiter (CIO) der IT der Rehau AG & Co möchte aber auch die IT-Verantwortlichen im Unternehmen erreichen: „Ich bin der festen Überzeugung, die IT-Abteilung muss sich aktiv in den Fahrersitz drängen und die Führungsrolle übernehmen, IoT im Unternehmen voranzubringen und die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen voranzutreiben“, sagt er. „Die Chance im Bereich IoT war nie so groß, wie jetzt“, ist Thomas Schott überzeugt und plädiert dafür, die aktuelle Situation zu nutzen: „Jetzt ist die Zeit, die Innovationen im Bereich IoT zu schaffen und die Infrastruktur auszubauen.“ Die deutschen Unternehmen vom kleinen Betrieb bis hin zum Mittelständler und Konzern müssten die Zeit in der Krise jetzt nutzen, um sich einen Vorsprung zu schaffen. Denn: „In wenigen Jahren werden sich die Unternehmen nicht mehr durch die Qualität der Produkte unterscheiden.“ Entscheidend sei dann die Time to Market, also wie lange man benötige, um sein Produkt auf den Markt zu bringen. Einen weiteren Faktor sieht der Experte in der Fähigkeit der Unternehmen, zusammen mit ihren Kunden, neue Produkte effizient und effektiv zu entwickeln, die sogenannten Co-Innovationen. Die Veranstaltung zum Thema IoT am 30. Juni um 15 Uhr ist für Mitglieder des IT-Clusters kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und zum IT-Cluster gibt es online: www.it-cluster-oberfranken.de

„Der digitale Flickenteppich in Oberfranken wird täglich sichtbar und vor allen Dingen spürbar“

Die Folgen der Pandemie führen die Mängel in der digitalen Infrastruktur wie unter dem Kaleidoskop zu Tage. Im Interview erläutert die Vorstandschaft des IT-Clusters, Hans Ulrich Gruber, Thomas Feike und Mario Mages, wo die Herausforderungen, Handlungsfelder und auch Chancen liegen. In Zeiten von Corona bekommt die digitale Infrastruktur eine besondere Bedeutung, in welchem Bereich ist sie derzeit besonders wichtig? Hans Ulrich Gruber: Die letzten Meter in die Privatwohnung sind, wie auch in die Firma, die wichtigsten. Alle Versäumnisse der letzten Jahre kommen jetzt hoch. Videokonferenz vom Homeoffice – ist das überhaupt möglich? Dass alle Mitarbeiter von außen auf das firmeneigene Rechenzentrum zugreifen, gibt das die Leitung überhaupt her? Thomas Feike: Digitale Infrastruktur ist nicht nur in Zeiten von Corona für Unternehmen und Privatpersonen besonders wichtig. Zwischenzeitlich stellt eine performante Internet-Anbindung in allen Lebensbereichen einen erfolgsentscheidenden Faktor dar. Man kann hier bereits von einem Grundbedürfnis sprechen. Vielleicht wäre an dieser Stelle der Gesetzgeber gefordert. Mario Mages: Durch Corona ist es ja geboten, das öffentliche und soziale Leben weitestgehend herunterzufahren. Umso wichtiger ist es für die Menschen nun, virtuell in Kontakt zu bleiben und aus Unternehmenssicht müssen aktuell so viele Prozesse wie möglich remote laufen. Dafür ist eine stabile digitale Infrastruktur unerlässlich. Denn: ohne Internetverbindung auch keine Produktivität. Wie beurteilen Sie die digitale Infrastruktur in Oberfranken insgesamt? Thomas Feike: Jetzt in der aktuellen Krisensituation wird der digitale Flickenteppich in Oberfranken sichtbar und vor allen Dingen täglich spürbar. Bisher hat man in diesem Zusammenhang lediglich immer von Funklöchern gesprochen, die sich in wirtschaftlich „unwichtigen“ Regionen befinden. Aber, dort wohnen und leben nun einmal die Mitarbeiter der Unternehmen, die jetzt den Geschäftsbetrieb remote aus ihren Homeoffices am Laufen halten sollen und müssen. Das heißt, nicht nur die Produktionsräume der Unternehmen „links und rechts der Autobahn“, sondern auch der private Wohnraum im rein ländlichen Bereich muss infrastrukturell top angebunden sein. So schnell kann sich der Blickwinkel und vor allen Dingen die Priorität der Bedeutung ändern – hoffentlich nachhaltig! Hans Ulrich Gruber: Es gibt Teilflächen, bei denen sind wir gut aufgestellt. Ich wohne „Gott sei Dank“ in so einer Gemeinde. Aber der überwiegende Teil fühlt sich an wie in der Savanne oder im Dschungel. Kupferkabelland! Da steht man dann am Rand und schaut zu, wie die anderen schnelles Internet haben. Mario Mages: In den Städten ist man gut aufgestellt, aber einige ländliche Ecken hinken immer noch hinterher. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass oftmals das Problem nicht die fehlende Bandbreite ist, sondern bei den jeweiligen Servern durch zu viele Anfragen der Datenstau entsteht. Beispielsweise ist bei ruckelnden Videokonferenzen nicht eine zu kleine Datenleitung das Problem, sondern es ist die Infrastruktur des Softwareanbieters selbst. Welche Maßnahmen sind jetzt besonders wichtig? Mario Mages: Glasfaserausbau, aber auch die letzte Meile – sprich der Hausanschluss – muss noch aufgerüstet werden. Wenn Glasfaser letztendlich auf ein Kupferkabel trifft, ist es so, als wenn die Autobahn in einem Feldweg mündet. Hans Ulrich Gruber: Glasfaser verlegen, Glasfaser verlegen, Glasfaser verlegen: Aber bitte auf dem neuesten Stand. 50 Mbit ist kein schnelles Internet!