Digitale Souveränität im Fokus: Rückblick auf das 14. IT-Foum Oberfranken

Wie unabhängig sind unsere Daten, unsere Cloud-Systeme und unsere digitalen Infrastrukturen wirklich?

Mit genau dieser Frage beschäftigte sich das 14. IT-Forum Oberfranken an der Hochschule Hof. Unter dem Motto „Digitale Souveränität – Daten und IT unter Kontrolle?“ wurden über Chancen, Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze für die digitale Zukunft diskutiert.

 

Die Audience bei der Begrüßung des IT Forum 2026

Hightech-Agenda: Deutschlands Weg zu mehr digitaler Souveränität

Den Auftakt machte Staatssekretärin Dr. Silke Launert, die die Hightech-Agenda der Bundesregierung als wichtigen Baustein für mehr digitale Unabhängigkeit vorstellte.

Dabei ging es nicht nur um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch um strategische Souveränität in zentralen Technologien.

„Was wir brauchen, ist eine schonungslose Analyse, wie abhängig wir wirklich sind und dann müssen wir ins Handeln kommen“, betonte Launert.

Die Hightech-Agenda verfolgt dabei drei zentrale Ziele:

  • Forschung und Innovation stärken, um eigene technologische Trends zu setzen – etwa mit „KI made in Germany“

  • Open-Source-Technologien fördern, um mehr Transparenz und Kontrolle über digitale Systeme zu gewinnen

  • Digitale Infrastruktur ausbauen, die sicher und souverän betrieben werden kann

Der Ansatz: Deutschland und Europa sollen nicht nur Technologien nutzen, sondern selbst aktiv mitgestalten.

Unsichtbare Monopole: Warum Europa digitale Abhängikeiten neu denken muss

Einen kritischen Blick auf globale technologische Machtstrukturen warf Tech-Journalistin Eva Wolfangel.

In ihrem Vortrag über unsichtbare Monopole hinter KI und Cloud berichtete sie von ihren Recherchen in Taiwan, einem der weltweit wichtigsten Standorte für die Produktion von KI-Chips.

Dort hat sich über Jahrzehnte eine technologische Spitzenposition entwickelt.

Bereits vor vielen Jahren begann dort die strategische Förderung der Halbleiterindustrie; trotz begrenzter finanzieller Ressourcen. Mit langfristigen Investitionen und mutigen Entscheidungen entstand eine Schlüsseltechnologie, von der heute große Teile der globalen Digitalwirtschaft abhängig sind.

Wolfangel brachte das Problem auf den Punkt:

„Abhängigkeit funktioniert – bis sie nicht mehr funktioniert.“

Gerade im Bereich von Cloud-Infrastrukturen, Halbleitern und KI-Technologien müsse Europa seine strategische Position neu bewerten.

Gleichzeitig warnte sie vor einem Narrativ, das Innovation blockieren kann:

„‚Europa ist abgehängt‘ ist ein Narrativ, das uns in Abhängigkeit hält.“

Die entscheidende Frage sei deshalb:

Investieren wir aktiv in unsere technologische Zukunft oder nur in die Skalierung von Lösungen, die von anderen entwickelt wurden?

Humanoide Roboter: Zukunftstechnologien zwischen Innovation und Regulierung

Für einen ebenso humorvollen wie nachdenklichen Abschluss sorgte Prof. Dr. Gunter Dueck, Mathematiker, Autor und langjähriger Technologie-Vordenker.

In seinem Vortrag „Humanoide, übernehmen Sie!“ ging es um die Zukunft von Robotik und künstlicher Intelligenz sowie um die Frage, warum technologische Entwicklungen in Deutschland häufig langsamer vorankommen.

Ein interessanter Rückblick:
Viele Zukunftsprognosen, die Dueck bereits vor zehn Jahren vorgestellt hatte und die damals als visionär oder sogar unrealistisch galten, sind inzwischen Realität geworden.

Sein Blick auf Deutschland:

Deutsche Unternehmen bauen hochpräzise Industrie-Roboter, die zuverlässig arbeiten sollen – nicht unbedingt spektakuläre Demonstrationsroboter.

Diese Fokussierung auf industrielle Anwendungen ist eine Stärke, gleichzeitig könnten jedoch regulatorische Hürden Innovation bremsen.

Mit einem bildhaften Vergleich erklärte Dueck die Herausforderung:

„In Deutschland gibt es nicht erst den Spielplatz und dann den Zaun. Sondern zuerst den Zaun – und manchmal ist dann das Kapital schon weg.“

Sein Fazit für den internationalen Wettbewerb:

„Wer aufschließen will, muss schneller laufen als die Führenden.“

Austausch, Innovation und neue Perspektiven

Neben den Keynotes bot das IT-Forum Oberfranken zahlreiche Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung.

In interaktiven Themenräumen diskutierten die Teilnehmenden unter anderem über:

  • Open Source als Grundlage digitaler Souveränität

  • Souveräne Cloud-Lösungen

  • KI und Robotik

  • Strategische Nutzung von Daten

Auch Startups aus dem Gründerzentrum Einstein 1 präsentierten ihre Ideen und Technologien und brachten frische Impulse in die Diskussion.

Am Ende des Tages war eines klar: Digitale Souveränität entsteht nicht allein durch politische Strategien oder technologische Entwicklungen.

Sie entsteht durch Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und durch den Mut, neue Wege zu gehen.

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